Literatur im Hotel

Fotos: Nick Uhlmann und Daniel Lüthi

Immerhin fünfzig Gäste fanden am Samstag, 14. Mai in Berns kleinstem und feinstem Hotel Platz. Die "Casita" mit genau einem Zimmer – pardon, einer Suite – bot den lauschigen Rahmen für die Vernissage unserer jüngst erschienenen Anthologie "Bellevue. Neue Hotelgeschichten zum Kopfreisen". Und so lauschte das Publikum entspannt den Autorinnen und Autoren, die neckische und nachdenkliche Texte rund ums Thema Hotel zum Besten gaben. Entstanden während der Pandemie, als man nicht reisen konnte und die Hotels geschlossen blieben, wirft das Buch unter anderem Fragen zu unserem gegenwärtigen und zukünftigen Lebensstil auf. Auch dies war Thema der angeregten Gespräche beim Apéro rund um die "Casita".

Vielen Dank für die Gastfreundschaft an Hélène und Daniel Lüthi, die Hoteliers im farbigen Länggassquartier!

 

> Buch Bellevue 

 

Fotos: Nick Uhlmann und Daniel Lüthi

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Kopfreisen im Frühling 2022

Checken Sie ein!

Bild: Frank Kunert

 

Unsere Geschichtenreihe

Mit der Reihe «Neue Geschichten» pflegt der Sage und Schreibe Verlag die Urform menschlichen Erzählens und gibt der Vielfalt literarischer Stimmen in der Schweiz eine Plattform. Autorinnen und Autoren werden angefragt, zu einem vorgegebenen Thema Geschichten zu schreiben oder bisher unveröffentlichte Texte einzureichen. Die Themen sind latent aktuell – so beschäftigt sich Band I, «Snežanas Lied. Neue Wintergeschichten aus der Schweiz», mit einer Jahreszeit, in welcher der Klimawandel besonders spürbar wird. Band II dreht sich ums «neue Gold» Wasser, zuweilen lebensbedrohlich, aber letztlich das Element, aus dem alles Leben kommt. Band III entstand während der Pandemie und so lädt "Bellevue. Neue Hotelgeschichten zum Kopfreisen" genau dazu ein.

 

Bild: zvg

 

Neue Hotelgeschichten

 

Hotels sind Fluchtorte, Transiträume, Bühnen und deshalb besonders inspirierend für Menschen, deren Leidenschaft das Geschichtenerzählen ist. So wird in diesem Buch Haarsträubendes aus Zimmermädchen Hannis Lehr-und Wanderjahren zum Besten gegeben, Gespenster bekommen Arbeitsverträge im Schlosshotel, und die De-luxe-Hochzeit im «Amorosa» endet nüchtern.

Auch von Motels und Pensionen wird erzählt, von einem Liebesnest mit Frühstück und einer Herberge am Jakobsweg, wo der Gastgeber im Winter vereinsamt.

Einige Geschichten sind kleine Heldenreisen, manche setzen sich in einem zweiten Text fort. Dazwischen finden sich sprachexperimentelle Beiträge sowie Miniaturen, in denen ganze Romane verdichtet sind wie in einem guten Songtext.

 

Bild: zvg

 

Leseproben

Frau K., die Wirtin, setzt sich zuerst mit Lena hin. Sie möchte wissen, woher und wohin.
«Einfach reisen», sagt Lena. «An Orte, die man nicht kennt. Von denen man wenig weiss.» Frau K. nickt zufrieden. «Gute Wahl», sagt sie. «Obwohl früher, da war es anders. Besser.» Halle habe 380'000 Einwohner gehabt, jetzt noch 180'000. Wo die denn hin seien, fragt Lena. «Gestorben und in den Westen arbeiten», sagt Frau K. Nachher sucht sie mit Sorgfalt einen Schlüssel für Lena aus. Sie bekommt das Zimmer Nummer 1. Fenster nach Süden und Westen, Fenster im Bad. Wenn sie dusche, solle sie warten, das warme Wasser komme. (...)

                                                                                                                                                                                                                                                             

Aus: «Frohe Zukunft» von Cornelia Bohnet

 

(...)

be sletscht Johr zKorfu

– oder eschs ächt Koos? –

jedefauus zGriecheland unde gsii:

furchbaar sägider!

sZimmer gröielig

ond auues bsoffni Ängländer deet

drbii sind dInternetbewärtige

dermaasse guet gsii!

(...)                                             

 

Aus: «trotz ☆☆☆☆» von Erich Haller                            

 

 

(...) Rücklings lag ich auf meinem Hotelbett, einen Arm über dem Bauch, den anderen längs neben dem Kopf ausgestreckt. In Streifen geschnittenes Sonnenlicht drang durch die Jalousien. Ich erinnere mich, wie mein rechter Fuss langsam warm wurde, weil er im Licht lag. Ganz ruhig lag ich da, ohne den Drang, mich zu bewegen. Ich betrachtete die weisse Zimmerdecke über mir. Und ich war ausgefüllt von diesem Gefühl, dass es noch so viel zu entdecken gab, dass noch so vieles vor mir lag. (...)

 

Aus: «Weiterziehen» von Lea Cadisch

 

 

Städteflug
Summ, summ, Samtlandung     
Wildflug ruht in Stadtwaben    
heute eröffnet

                                                    

Haiku von Daniela Meyer

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Sechs Fragen an Susanne Brenner

 

2021 durften wir Susanne Brenner als neues Teammitglied des SAGE UND SCHREIBE Verlags willkommen heissen. Sie übernimmt mit dem Gesuchswesen/Fundraising eine wichtige Rolle für einen kleinen Verlag wie den unseren. 

 

Welche Beziehung hat Susanne Brenner zu Büchern? Was inspiriert sie? Sechs Fragen.

 

Was bedeuten dir Bücher?

Bücher sind für mich eine willkommene Abwechslung, ein Kontrapunkt zur Bildschirmarbeit. Ein schön gestaltetes Buch in die Hand zu nehmen ist einfach toll. Denn ein Buch vermag die Sinne anzusprechen. Sehen, fühlen und sogar riechen - was Erinnerungen weckt an die vielen Stunden, die ich während meines Kunstgeschichtsstudiums in der Bibliothek verbracht habe.

 

Was liest du?

Ich stecke gerade noch in der Lektüre von "Salat" von Katharina Schenk. Ansonsten lese ich am Abend mit meiner Tochter dies und das, über Ponys, Schulstreiche und blättere in Sach- und Umweltbüchern. Wir lassen uns beide gerne von textlich und gestalterisch kreativ umgesetzten Themen für Kinder begeistern. "Ronni vom Rhonegletscher" von Cornelia Zahner hat uns viele schöne Vorlesestunden beschert, ebenso wie der Kinderbuchklassiker von Janosch "Oh wie schön ist Panama".

 

Wenn du ein Buch in die Hand nimmst, was interessiert dich daran am meisten?

Intuitiv zieht mich die Gesamterscheinung an. Zentral sind Gestaltung, Bilder und Titel. Das entscheidet, ob ich dem Buch eine Chance gebe. Manchmal bekomme ich aber auch einen Tipp, höre eine interessante Diskussion oder lese etwas über ein Werk oder eine Autorin. Das bringt mich auch dazu, in ein Buch reinzulesen.

 

Worin besteht deine Arbeit für den Sage und Schreibe Verlag?

Als kleiner Verlag, der noch kaum bekannte Autoren fördert, sind wir darauf angewiesen, dass wir Produktionsbeiträge erhalten, um die Grundkosten zu decken. Ich mache die Gesuche für die Unterstützungsbeiträge der geplanten Bücher.

  

Wie sieht die Zukunft des Buches aus? 

Arbeit, Recherche und Schreiben verlagert sich immer mehr in die digitale Welt. Je mehr das passiert, desto grösser ist die Chance, dass Bücher lesen zu einer wohltuenden Freizeitbeschäftigung wird, zu einem Kontrapunkt in der digitalen Arbeits- und Alltagswelt - zu einer Oase.

 

Dein literarischer Lieblingssatz:

"Wenn man einen Freund hat", sagt der kleine Bär, "der Pilze finden kann, braucht man nichts zu fürchten! Nicht wahr, Tiger?" (Janosch, Oh wie schön ist Panama!)

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Sieben Fragen an Larissa Mina Lee

 

2021 ist Larissa Mina Lee zum Team des SAGE UND SCHREIBE Verlags dazugestossen. Als Verantwortliche für die Verlagskommunikation verschickt sie den Newsletter und unterhält die Website und Social Media Plattformen. Sie ist im Berner Seeland aufgewachsen und studiert momentan in Genf.

 

Welche Beziehung hat Larissa Mina Lee zu Büchern? Was inspiriert sie? Sieben Fragen.

 

Was bedeuten dir Bücher?

Geschichten und Bücher bedeuten mir sehr viel, angefangen mit Kinderbüchern begleiten sie mich schon mein ganzes Leben und ich verbinde daher viele wichtige Lebenserfahrungen und Lektionen mit Büchern. Ausserdem können mir Bücher auch Trost spenden und Mut machen, ein gutes Buch kann auch mal einen schlechten Tag retten.

 

Was liest du?

Täglich Zeitungsartikel, akademische Papers, Social Media Captions und Strassenschilder. Aber am liebsten Romane die mich bewegen und in mir nachhallen, auch wenn ich das Buch schon lange fertig gelesen habe.

 

Wenn du ein Buch in die Hand nimmst, was interessiert dich daran am meisten?

Zuerst wohl das Optische, der Umschlag. Dann der Titel, der ist entscheidend dafür, ob ich den Klappentext lese und das Buch aufschlage. Wenn mich der Titel neugierig macht, freue ich mich darauf es zu lesen.

 

Worin besteht deine Arbeit für den Sage und Schreibe Verlag?

Ich kreiere Social Media Content und bin für die Website und den Newsletter verantwortlich.

 

Was ist das Schöne, was das Schwierige an dieser Arbeit? 

Ich finde es wunderschön für den Sage und Schreibe Verlag arbeiten zu dürfen, weil ich dadurch regelmässig mit Menschen in Kontakt bin, die Geschichten und Bücher lieben und ich finde wir haben ein super Team. Mir gefällt es ausserdem, dass ich sehr selbständig arbeiten darf und viel kreative Freiheit habe, auch wenn das gleichzeitig die grösste Herausforderung ist.

 

Wie sieht die Zukunft des Buches aus? 

Ich habe einen E-reader und lese für die Uni jede Woche hunderte Seiten auf meinem Laptop. Aber wenn ich genussvoll lesen möchte, dann immer noch am liebsten in einem Buch dessen Seiten ich aufschlagen kann, das ich beim umblättern rieche und das mich später im Büchergestell immer wieder an das Gelesene erinnert. Ich glaube das geht vielen so, deshalb dürfen wir uns auch in Zukunft auf viele schöne gedruckte Bücher freuen.

 

Dein literarischer Lieblingssatz:

Schwierig, aber ein Buch das mich sehr geprägt hat ist "The Color Purple" von Alice Walker. Celie wird zu einer starken, selbstbestimmten und solidarischen Frau und Feministin in einem patriarchalen, rassistischen Amerika. Ihr Weg zu diesem selbstbestimmten Leben ist unglaublich schwierig und oft grausam, gerade deshalb berührt mich dieser Satz von ihr sehr: "I think it pisses God off if you walk by the color purple in a field somewhere and don't notice it." 

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Sieben Fragen an Susanne Badertscher

 

2018 konnte der SAGE UND SCHREIBE Verlag die literaturbegeisterte Susanne Badertscher für das Team gewinnen. Seither ist sie als Verantwortliche für das Verlagswesen und den Buchhandel vom SAGE UND SCHREIBE Verlag nicht mehr wegzudenken.

 

Welche Beziehung hat Susanne Badertscher zu Büchern? Was inspiriert sie? Sieben Fragen.

 

Was bedeuten dir Bücher?

Viel - ein Tag ohne die Nase in ein Buch gesteckt zu haben, ist wie ein Tag ohne Freude.

 

Was liest du?

Vieles - Roman, Erzählungen, Thriller, in besonderen Momenten auch Lyrik (aktuell gerade Rolf Hermann "In der Nahaufnahme verwildern wir" -  faszinierend). 

 

Wenn du ein Buch in die Hand nimmst, was interessiert dich daran am meisten?

Wohin geht die Reise - welche Personen lerne ich kennen - was für Geschichten werden mir erzählt?

 

Worin besteht deine Arbeit für den Sage und Schreibe Verlag?

Administratorisches, Organisatorisches (Vernissagen, Events), VLB pflegen und mein Liebstes: Manuskripte lesen.

 

Was ist das Schöne, was das Schwierige an dieser Arbeit? 

Das Schönste und gleichzeitig das Schwierigste sind die Manuskripte. Autorinnen und Autoren geben alles für ihre Texte, und wir im Verlag müssen verantwortungsvoll damit umgehen; entscheiden, was für den Verlag interessant sein könnte.

 

Wie sieht die Zukunft des Buches aus? 

Die Reise geht weiter. Ich bin überzeugt, dass das gedruckte Buch immer einen Platz in unserem Leben haben wird. Die elektronischen Möglichkeiten werden sicher weiterentwickelt - aber sie können keinen wirklichen Ersatz für das Buch in der Hand sein (Ansichten einer Babyboomerin? Schon möglich).

 

Dein literarischer Lieblingssatz:

Phuu, sehr schwierig; gerade kürzlich hat mir gefallen: "Kehren wir nicht reicher heim - war es nicht ein wunderschöner Tag." (aus Carl Selig - Wanderungen mit Robert Walser) 

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Sieben Fragen an unsere Verlegerin

 

Tina Uhlmann ist Mitbegründerin, Verlegerin und Lektorin des SAGE UND SCHREIBE Verlags. Als Journalistin, Redaktorin und seit 2014 Verlegerin, betrifft ihre Arbeit alles, was mit Schreiben zu tun hat.

 

Nach dem Studium der Ethnologie und spanischer/lateinamerikanischer Literatur absolvierte Tina Uhlmann den Diplomlehrgang für Journalismus am MAZ. Seither arbeitet sie als Journalistin und Redaktorin für verschiedene Medien (u.a. Berner Zeitung/Bund, SDA, CHMedia, EMMA, querlesen) und als Autorin/Co-Autorin im Sachbuchbereich. Seit 2010 führt Tina Uhlmann ihr eigenes Schreibatelier mit Kursen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ende 2014 gründete sie zusammen mit zwei Freunden - Autor und Grafiker - den Sage und Schreibe Verlag, der heute aus einem fünfköpfigen Frauenteam mit Vertreter besteht.

 

Welche Beziehung hat Tina Uhlmann zu Büchern? Was inspiriert sie? Sieben Fragen.

 

 

Was bedeuten dir Bücher?

Bücher sind ein wichtiger Bestandteil meiner Ernährung. Ohne sie würde ich geistig, emotional und sprachlich verhungern, mein Wissensdurst könnte niemals gestillt werden.

 

Was liest du?

Als Literaturkritikerin lese ich alle Arten von Belletristik. Spezialgebiete sind Schweizer Literatur, spanischsprachige Literatur und Lyrik. Zudem interessieren mich Sachbücher über Kunst, andere Kulturen, Popkultur und Geschichte, insbesondere die in Aufarbeitung begriffene Geschichte der Frauen. Ausgewählte Biografien. Keine Ratgeber. 

 

Wenn du ein Buch in die Hand nimmst, was interessiert dich daran am meisten?

Ob es zu mir spricht. Beim Reinlesen merke ich sehr schnell, ob die Autorin oder der Autor etwas zu sagen hat. Ob eine Geschichte erzählt wird, die über das Individuelle und die unmittelbare Gegenwart hinausweist. Ob die Sprache eine eigene Prägung hat oder blosse Informationsvermittlerin ist. Wichtig ist für mich auch die Machart des Buches: Liegt es gut in der Hand? Passt das Format zum Inhalt? Fühlt sich das Papier angenehm an? Ist die Typografie bewusst gewählt und der Textumbruch gepflegt? Ein schönes Buch erhöht den Lesegenuss und ist auch ein sinnliches Erlebnis.

 

Worin besteht deine Arbeit für den Sage und Schreibe Verlag?

Ich bin die Verlegerin, deshalb bin ich an sämtlichen Verlagsarbeiten beteiligt. Programmgestaltung, Lektorat und Buchproduktion sind meine Kür; Marketing, Verkauf und alle administrativen Arbeiten Pflicht.

 

Was ist das Schöne, was das Schwierige an dieser Arbeit? 

Das Schöne ist, talentierte Autor/innen zu entdecken und ihre Texte Menschen zugänglich zu machen, die handfeste Bücher digitalen Angeboten vorziehen. Dabei ist auch die Getaltung der Bücher zusammen mit unserer Grafikerin Judith Zaugg ein kreativer Prozess, der mich begeistert.

Das Schwierige ist, als kleiner Verlag ohne fettes Promo-Budget neben grossen Playern, die den Markt mit Bestsellern beherrschen, zu bestehen und auch besondere, eigenwillige Bücher sichtbar zu machen.

 

Wie sieht die Zukunft des Buches aus? 

Ähnlich wie die Zukunft der Bienen ist die Zukunft der Bücher ein Indikator für das Fortbestehen der Menschheit als selbstständig denkende Spezies.

 

Dein literarischer Lieblingssatz:

Ich habe mindestens 1001 literarische Lieblingssätze. Einer stammt von Susan Sonntag:

"Schreiben lernt man, indem man schreibt."

 

atelier-sageundschreibe.ch

 

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Erlebnis-Lesung mit Amika in Frutigen

Die kleine Amika mit den wilden Haaren und den verrückten Ideen gibt es im Bilderbuch. Und Amika erlebt ihre Abenteuer jetzt auch im Bilderbuchtheater. Zwei mal 30 Kinder sowie Eltern, Grosseltern, Gotten und Göttis verfolgten am 22. September 2021 an der Premiere in der Badilounge in Frutigen, wie Amika eine kleine Maus zeichnete und die Geschichte mit der grossen Katze, dem wilden Wolf und dem Gespenst sich zu drehen begann wie ein Karussell.

Illustratorin Sandra Gujer und Autor Godi Huber verwandelten die turbulente Geschichte und die schönen Zeichnungen in eine Erlebnis-Lesung. Begleitet von grossformatigen Bildern, wurde die Geschichte von Amika frei erzählt; die Kinder konnten zuschauen, zuhören und machten mit grosser Begeisterung auch selber mit.

Mit dem Bilderbuchtheater lassen Gujer und Huber eine alte Tradition wieder aufleben. Bild- oder Erzähltheater, Kamishibai genannt, waren einst in Japan sehr beliebt.

Am Mittwoch, 27. Oktober 2021, präsentieren Gujer und Huber "Amika"
für ein erwachsenes Publikum.

Fotos: Yannick Brunner

> Buch "Amika zeichnet eine Maus"
> Agenda

Kurzinterview mit Autorin Katharina Schenk

 

In Deinem Buch "Salat" geht es um die Beziehung von Städterinnen zum Land und zu den

Menschen, die dort leben. Was interessiert dich an diesem Thema?

 

Die Schweiz ist klein, aber die Unterschiede zwischen der Land- und der Stadtbevölkerung sind

gross, trotz allen Strassen und Verbindungen. Warum ist das so? Dieser Frage wollte ich

nachgehen.

 

Unter deinen Figuren finden sich einige Grenzgänger/innen – du hast eine besondere Gabe,

sie in deiner Literatur lebendig zu gestalten. Woher kommt das?

 

Die Grenzgänger oder die weniger Angepassten mit einer abweichenden Lebenshaltung vom

allgemeinen Trend interessieren mich besonders, weil sie eigenständig denken und fühlen.

 

Hauptberuflich gehst du einer anderen, sozialen Arbeit nach. Wo und wann findest Du

ideale Schreiborte bzw. Schreibzeiten?

 

Der Impuls zu schreiben kommt plötzlich irgendwo und irgendwann. Die Musse und die Hinwendung

dazu ist dann entscheidend.

 

Was schreibst du am liebsten?

 

Beobachtungen, Geschichten, Eindrücke, den Traum nach dem Erwachen, Berichte über die

Menschen in meiner Arbeit, soweit ich keinen strengen Vorlagen folgen muss.

 

Und was liest du am liebsten?

 

Ich lese sehr gerne englische Literatur, und die grossen Erzähler des 19. Jahrhunderts, aber

auch neuere, zum Beispiel biografische Literatur.

 

Wie bist du selber zum Schreiben gekommen?

 

Sicher früh, wegen des Bedürfnisses, mich auszudrücken. Vielleicht auch durch die Literaturvermittlung

meiner Mutter, die vielen Büchern zuhause, die Märchenerzählungen meines

Vaters und die Aufsätze in der Schule.

 

Was für einen Stellenwert nimmt das Buch "Salat" in deinem Werdegang als Autorin ein?

 

Wahrscheinlich einen wichtigen, da es mein erstes Buch ist. Mehr kann ich nicht voraussagen.

Jedenfalls habe ich grosse Freude, dass der Sage und Schreibe Verlag es nun publiziert.

 

Was wünschst du dir für dein Buch?

 

Dass es gelesen wird.

 

Gibt es bereits neue Schreibprojekte?

 

Ich habe länger intensiv an einem Text über den Ort, an dem ich aufgewachsen bin, geschrieben.

Seit einer Weile ruht er. Gut möglich, dass ich ihn wieder aufnehme. Was daraus wird,

weiss ich noch nicht.

"In jedem Menschen steckt Fantasie"

Bilderbuch Amika im Gespräch
Sandra Guyer, Godi Huber

Wie ist das Bilderbuch "Amika zeichnet eine Maus" entstanden? Was haben die Illustratorin Sandra Gujer und der Autor Godi Huber dabei erlebt? Wie weckt man die Fantasie? Ein Gespräch.

 

Mit "Amika zeichnet eine Maus" habt Ihr euch erstmals an ein Bilderbuch gewagt. Warum ein Bilderbuch? Und warum dieses Bilderbuch? 

 

Sandra Gujer:  Die Form des Bilderbuchs fasziniert mich seit meiner Kindheit und lässt mich bis heute nicht los. Als junge Illustratorin reiste ich mehrmals an die internationale Kinderbuchmesse nach Bologna und kehrte jeweils voller Inspiration, neuen Kontakten und Tatendrang nach Hause. Doch bei aller Romantik ist der Bilderbuchmarkt ein hartes Pflaster, weshalb ich mich auf Werbe- und Auftragsillustrationen fokussierte. Bei der Anfrage des SAGE UND SCHREIBE-Verlag schien mir endlich die Ausgangslage für eine Zusammenarbeit ideal. Die Geschichte gefiel mir auf Anhieb sehr gut. Dazu kam das kleine sympathische Verlagsteam, das mir sehr offen und unterstützend zur Seite stand.

 

Godi Huber: Bilderbücher haben mich durch mein ganzes Leben begleitet. Max und Moritz gehören zu meinen ersten Kindheitserinnerungen, die Janosch-Geschichten vom Tiger und Bär haben meine Kinder fasziniert und das Enkelkind verlangt jetzt immer und immer wieder nach dem Grüffelo. Selbst an einem Bilderbuch beteiligt zu sein, sah ich als Chance und Herausforderung!

 

Wie darf man sich die Entstehung eines Bilderbuchs grob vorstellen? Wird da der Einzelkämpfer zum Teamworker? Habt ihr euch zwei Wochen in ein Atelier eingesperrt - und fertig war das Buch?

 

Godi Huber: Die Entstehung eines Buches ist ein Prozess, der aus der Sicht des Autors viel zu lang dauert, nämlich ein bis zwei Jahre. Und ein Bilderbuch ist noch viel komplexer als ein Textbuch. Die Text- und die Bildwelt müssen zusammengebracht werden, miteinander funktionieren. Wir sind in Schritten vorwärts gegangen, wobei ich mit dem Text den ersten Schritt machen durfte. Danach war immer wieder Teamwork gefragt, in das auch der Verlag und die Grafikerin eingebunden waren. Sie alle haben unglaublich viel und gut gearbeitet.

 

Sandra Gujer: Wir lernten uns erst beim Projektstart kennen. Godi spielte mir den Text zu, ich reagierte darauf mit dem visuellen Storyboard zur Geschichte. Gemeinsam trafen wir uns für Zwischengespräche. Meine Hauptarbeit, das Zeichnen, Bearbeiten und Einfärben der einzelnen Bilder, geschah wiederum allein im Atelier. 

 

Schreibt und zeichnet man ein Bilderbuch eigentlich für die Kinder oder für die Eltern der Kinder?

 

Sandra Gujer: Ein spannendes Bilderbuch holt idealerweise Eltern und Kinder auf unterschiedlichen Ebenen ab. Es hat die Aufgabe, Kinder emotional zu berühren, zu unterhalten und ihre Fantasie anzuregen. Es sollte einem Kind auch Figuren und Welten zum Entdecken bieten, sei es bildlich oder sprachlich. Bei den Erwachsenen ist es dasselbe, auch sie möchten durch die Bilder und die Geschichte irgendwie berührt werden. Ich zeichne für Kinder und die Eltern der Kinder und vielleicht auch noch für die Grosseltern der Kinder. Ich denke es gibt für alle etwas zu entdecken.

 

Godi Huber: Ich denke an die Geschichte. Die Geschichte muss die Kinder packen und von den Kindern verstanden werden. Wenn das funktioniert, ist es grossartig. Und natürlich ist es schön, wenn ein Bilderbuch auch den Erwachsenen gefällt, vielleicht sogar ihre etwas eingerostete Fantasie beflügelt ...

 

Hier der Grossvater, da die junge Familienfrau - war das Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Generationen eine Herausforderung?

 

Godi Huber: Ich habe ja den Anfang machen dürfen, die Geschichte in die Welt gesetzt. Danach konnte ich den Text weitergeben, im Wissen darum, dass Sandra ein Profi ist. Ich war natürlich gespannt auf das Resultat. Und ich bin begeistert, wie Sandra die Geschichte angenommen und weiterentwickelt hat. Ich denke, das Buch profitiert enorm von den Empfindungen und Erfahrungen zweier Menschen.

 

Sandra Gujer: Es war entspannt. Ich profitierte von Godis langjähriger Berufserfahrung als Schreiber und Kommunikationsexperte. Ich denke, das Alter war nicht entscheidend. Viel mehr fiel mir auf, dass ich lieber mit Bildern als mit Worten kommuniziere. Bei Godi ist es umgekehrt. Er denkt eher in Texten und deren Wirkung. Wir kultivieren also zwei unterschiedliche Sprachen. Wenn man offen ist, kann man dazu gewinnen.

 

Die Geschichte lebt von der Fantasie. Wer von euch beiden hat eigentlich mehr Fantasie?

 

Sandra Gujer: Ich denke, wir sind beides Realisten mit einer grossen Vorstellungskraft. Zum Glück ist Fantasie nicht messbar …

 

Godi Huber: Ich sehe mich im Alltag als ausgesprochenen Realisten. Doch hin und wieder gehen die Gedanken mit mir durch. Das sind die Momente, in denen die Geschichten entstehen und nur noch aufs Papier gebracht werden müssen. Ich glaube übrigens, dass in jedem Menschen Fantasie steckt. Man muss sie nur zulassen wollen.

 

Was war für Euch persönlich der schwierigste Moment im Projekt? Und welches der schönste Augenblick?

 

Godi Huber: Richtig schwierig war es für mich nie. Schön war der Moment, als aus Buchstaben Worte und aus Worten Sätze wurden und ich spürte, dass die Geschichte funktionieren kann. Grossartig war es, das gedruckte Buch auszupacken und zu sehen, dass es echt schön geworden ist.

 

Sandra Gujer: Irgendwann beim Zeichnen kamen bei mir Zweifel auf, ob die Bleistiftzeichnungen genügend bunt sind. Ich fragte mich, wie es wäre, wenn die Katze knallorange wäre. Der schönste Augenblick? Einerseits als das Storyboard aufging. Andererseits war es wunderbar, das frisch gedruckte Buch in den Händen zu halten.

 

Das Buch ist da, die Arbeit getan, jetzt warten die grossen Ferien?

 

Sandra Gujer: Genau so habe ich mir das früher vorgestellt (schmunzel). Doch nun geht es darum, Amika unter die Leute zu bringen, zum Beispiel mit Veranstaltungen und mit bewegten Illustrationen in den Sozialen Medien. Die Zusammenarbeit ist noch nicht beendet, vielleicht ist es erst der Anfang.

 

Godi Huber: Als Autor darf ich packende Geschichten für schöne Bücher schreiben. Das ist so inspirierend wie Ferien. Danach sollen die Bücher zu möglichst vielen Leserinnen und Lesern kommen. Das bedeutet für den Verlag und die Autoren ganz viel Knochenarbeit. Und zwischendurch kehren sie hoffentlich zurück, verrückte Ideen, die davonlaufen, galoppieren und zu neuen Geschichten fliegen ...

 

©2021 Sage und Schreibe Verlag, Bern | Foto: Martin Dängeli

 

Wenn Amikas Gedanken Purzelbäume schlagen

Auszüge aus dem Bilderbuch "Amika zeichnet eine Maus".